Fest der Sinne

Eine erotische Short-Story von Hans Sanft.

Begegnungen sind heute oft wie ein Hauch. Kaum hat man ihn gespürt, ist er schon vorbei. Wer erinnert sich noch an diesen einen Hauch... diesen Luftzug, der den Körper erschauern ließ? Diesen flüchtigen Moment der Sinnlichkeit? Auch der Genuss des Essens ist ein flüchtiger, trügerischer. In einem Moment die Sinne betörend, fast erotisch. Minuten später vergessen und durch andere Gefühle überdeckt.
Während ich diese Zeilen schreibe erinnere ich mich eines Momentes, nein, eines Abends, der die Sinne betörte - und sie für lange Zeit fesselte.

Ich hatte mich für diesen Abend bewusst leger gekleidet. Leger und gleichzeitig elegant. Kleidung, die dem Körper gefällt. Eine schwarze Hose, das weiche Shirt aus Modal, ebenfalls - fast - schwarz. Die neuen Schuhe, natürlich farblich passend. Lange schon hatten wir diesen Abend geplant, oft war in letzter Sekunde etwas dazwischen gekommen. Heute schien alles perfekt. Keine Verpflichtungen, die Sicherheit, dass auch die Freunde nicht stören würden. Frei am nächsten Tag. Nur noch sie fehlte. Zur verabredeten Zeit entzündete ich die Kerzen. Alles stand bereit. Der Prosecco, den sie so mochte. Frisches Baguette. Mozzarella, der auf der Zunge zerging. Dazu ein wenig Acetico, etwas mehr Olivenöl. Pfeffer, frisch gemahlen. Das Basilikum frisch gepflückt, ein wenig mit den Fingern zerkleinert. Zerrissen, nicht zerschnitten.
Sie ließ mich nicht warten. Mit ihrer Stimme, die ich so gerne hörte, nahm sie mich gleich gefangen. Ein gehauchter Kuss. Nicht mehr. Aber für mich fast schon unerträglich. "Setz dich" flüsterte ich ihr zu. "Gern. Schön, dass es diesmal geklappt hat. Ich glaubte es schon gar nicht mehr." Ihre Worte hörten sich für mich an wie flüssiges Gold. Ich lauschte nur ihrer Melodie, ihrem Atem zwischen den Worten. "Stoßen wir an?" "Ja, was hast du da?" "Prosecco. Deinen Prosecco!" Ich öffnete die Flasche. "Oh, du hast es nicht vergessen!" Obwohl ich mit dem zart perlenden Getränk beschäftigt war, wusste ich, dass sie lächelte. Ich kannte dieses Lächeln inzwischen gut. Und liebte es.
"Auf die erotischsten Lippen, die diese Tropfen je umschmeichelt haben!" Sie lachte. "Immer noch der alte Charmeur. Aber gut, auf diese Lippen!"
Der Prosecco füllte meinen Mund. Ich spürte, wie er kühl die Zunge hinunter lief. Auch sie trank, genoss. Ich schloss die Augen. "Was hast du an?" fragte ich sie leise. "Das weißt du doch." "Ja, aber ich möchte es von dir hören." "Du willst es genau wissen?" fragte sie. "Ja, bitte fang an" antwortete ich lächelnd.
"Gut..." sie dehnte dieses Wort, als wollte sie eine ganze Rede nur mit dieser einen Silbe füllen. Ich schloss die Augen. "Stell dir eine Frau vor, die sich für einen Mann angekleidet hat. Sie sieht elegant aus. Er könnte also ihr Chef sein. Aber ihr Parfüm hat nicht den Duft, den eine Frau bei einem Essen mit ihrem Chef tragen würde. Ihr Bruder? Eine Familienfeier? Dafür ist ihr schwarzes Kleid eine Spur zu kurz. Das Dekolleté eine Winzigkeit zu gewagt. Also ihr Mann? Schauen wir sie uns genauer an. In den Ohren Ohrringe, die filigran aus mehreren Elementen zusammengesetzt sind. Weißgold. An der rechten Hand zwei Ringe, an der linken einen. Aber kein Ehering.
Ihre Füße stecken in zum Kleid ausgesuchten Pumps, nicht flach, aber auch keine Stilettos. Ihre Waden sind durch die Absätze straff, wohl geformt, ihre Haltung grazil, aber nicht unsicher, wie man es oft sieht, wenn die Höhe der Absätze für die Trägerin ungewohnt ist. Auf dem Parkett hinterlassen die Absätze ein Geräusch, das für einen Krimi oder eine Lovestory gedacht schien. Du hast es gehört - und sicher schon daran erkannt, welche Schuhe sie trägt?" Ich nickte ohne etwas zu sagen.
"Was denkst du? Keimt bei dir der Verdacht auf, diese Frau hätte sich für ihren Liebsten, ihren Liebhaber so gekleidet?" Noch immer schwieg ich. "Lass sie uns ein wenig genauer betrachten. Wir sehen ihre Brüste, die von dem BH nur bedingt verborgen, fast sollte man sagen, präsentiert werden. Ihre Brustwarzen zeichnen sich durch BH und Kleid ab. Fest. Erregt. Dieser Gedanke drängt sich dem Betrachter auf. Der Blick geht tiefer. Über ihren Bauch, der diesmal unseren Blicken verborgen bleibt. Nein, noch tiefer. Zu den Beinen, zwischen sie. Sie sind kaum merklich geöffnet. Unter deinem Blick öffnen sie sich jedoch langsam und geben mehr frei. Den Spitzenabschluss ihrer schimmernden Strümpfe. Ein wenig helle, unbedeckte Haut oberhalb. Aber noch ist ihre Bewegung nicht zu Ende. Weiter öffnen sie sich und ebnen den Weg zu ihrem, zu seinem Heiligtum..."
Ich atmete tief ein, die Augen noch immer geschlossen. Hoch erregt fragte ich sie: "Was trägt sie unter dem Rock?" Ich ernte ein Lachen. "Nicht so schnell, der Herr!" antwortete sie mir. "Zuerst beantwortest du mir die Frage, für wen sie so gekleidet ist."
"Für sich. Sie erregt sich daran, einem Mann einen erotisch Anblick darzubieten. Fühlt sich als Königin. Als Königin des Abends, als Königin der Lust."
"Eine schöne Antwort. Aber es ist nur ein Teil davon. Sie will nicht nur genießen. Sie will auch geben. Wenn du so willst: sie will auch dienen. Sie bietet sich dar. Ihre Brüste, ihr Körper, ihre Scham - alles ist ein Angebot an den Mann, den sie liebt." "Er ist geneigt, ihr Angebot anzunehmen... Dann verrate mir: was trägt sie unter dem Rock?"
"Später... willst du den Nachtisch vor der Hauptspeise serviert bekommen?" "Du hast Recht." Ich lächelte. In die Stille hinein mischte sich leise Musik. Sie musste sie aufgelegt haben, als ich die Augen geschlossen hatte. Duke Ellington. Nicht der satte Sound seiner Bigband, sondern der sanfte, intime Klang seines kleinen Ensembles.

« Die Frau in Rot

Back to back... Rücken an Rücken... Ein schöner Titel, passend zu diesem Abend. Die leisen Geräusche des Bestecks mischten sich in die Musik. Sie genoss das Essen, lobte den Prosecco, lachte mir zu. Die Gläser klirrten zart. Sie griff unser Gespräch wieder auf. "Stell dir vor, du würdest dieses Essen, den weichen Käse, die kleinen, saftigen Tomaten, das duftende Basilikum, vom Körper der Frau genießen, die du begehrst. Sie liegt vor dir, ihre nackte, weiche Haut bedeckt mit diesen Genuss versprechenden Köstlichkeiten. Du beginnst, mit den Fingern und dem Mund ihren Körper darunter zu entdecken. Kostest hier eine Kleinigkeit, nimmst dort etwas in den Mund. Umschließt es mit den Lippen. Ihre Knospen ragen fest und rosig dazwischen hervor. Zwei Hinweise, zwei Wünsche, die dir zuflüstern: nimm auch uns... Und du gehorchst. Öffnest deinen Mund und saugst sie ein. Erst die eine, lässt deine Zunge um sie gleiten, saugst ein wenig an ihr. Dann, nachdem du sie aus deinem warmen feuchten Mund entlassen hast, erkundest du schon die zweite Knospe. Auch sie ist bereit. Auch sie wird von deinem Mund aufgenommen, umschmeichelt, geküsst. Die Frau, die sich dir so wundervoll darbietet, erschauert unter deinen Berührungen. Ihr Busen hebt und senkt sich schwer, du spürst ihre Erregung, die nicht nur sexueller Natur ist. Dieses Spiel, das Neue ist es, das sie gespannt macht und - erregt." "Auch mich erregt dieses Spiel" antwortete ich. "Ja, sie weiß das. Aber du sollst nicht vergessen, dass nicht die Erregung das Ziel ist. Es ist Beiwerk. Es geht um mehr, um den Moment der Schönheit, der Harmonie. Genuss mit allen Sinnen. Lass uns darauf trinken. Auf den Genuss. Das, was das Leben lebenswert macht." "Auf den Genuss - und auf die Frauen, die uns Männern diesen Genuss vermitteln."
Kühl spürte ich den Prosecco in meinem Mund, meinem Rachen, trank... und dachte an das, was sie mir noch nicht offenbart hatte.
Sie sprach weiter:"Dann nimmst du diese Flasche in die Hand, gießt etwas von dem Nass in ihren Bauchnabel - halt, nicht zu viel! Sie wird es mit einem Seufzen quittieren. Noch mehr, wenn du beginnst, dieses Getränk aus diesem herrlichen Gefäß zu trinken. Schenk nach, du sollst dich an ihr berauschen."
Ich nickte, antwortete "ja, das werde ich!" und führte erneut das Glas an den Mund. "Bevor du mehr von diesem köstlichen Mahl erfahren wirst, wird dir die Erzählerin einen Gefallen erweisen. Dir, und vielleicht sich selber auch." "Welchen Gefallen?" "Sie wird ihren BH ablegen und ihr Kleid so herrichten, dass ihre wundervollen Brüste zur Gänze bloß vor dir liegen. Gefällt dir dieser Gedanke?"
Ich musste nicht nachdenken, die Antwort lag auf der Hand, bejahte. "Gut. Schau her! Sie streift die Träger ihres Kleides herab, erst den einen, dann den anderen. Sie will, dass du ihren Bewegungen mit deinen Augen folgst. Langsam gehen ihre Hände hinter ihren Rücken, öffnen den Verschluss ihres BHs. Sie legt ihn ab. Ihre Brüste hängen nun frei, schwer und voll. Das Kleid endet knapp unter ihnen. Siehst du, wie sich ihre Brustwarzen versteifen?" Ich nickte. "Ich merke, es gefällt dir. Schön. Auch ihr gefällt dieser Anblick. Dieses Frau sein."
Ein kurzer Moment der Stille. Nur die Geräusche unserer Bestecke waren zu hören. Dann sprach sie weiter. "Du hast noch nicht genug? Möchtest du noch etwas trinken?" Das Perlen des Prosecco klang beim Eingießen wie ein kleiner Wasserfall. Unsere Sinne waren gespannt, begierig, nichts, auch nicht die geringste Kleinigkeit zu verpassen. "Ein schönes Geräusch, nicht wahr?" fragte sie. Wieder musste ich nicht antworten.
"Wir sind wieder bei unserem Festmahl. Du gießt wieder etwas in ihren Bauchnabel. Etwas zu viel, es läuft ihren Bauch hinab. Sie erschauert leicht. Du ahnst: heute wird ihr ganzer Körper nur dafür da sein, dir Genuss bereiten. Deshalb gießt du jetzt ein wenig des Prosecco auf ihr Delta. Wie schön dieser Name ist: Delta der Venus... Und wirklich, göttlich liegt es vor dir. Das kleine dreieckige Haarbüschel glänzt feucht, nimmt das Nass auf. Deine Zunge leckt es ab, aber du gehst nicht weiter. Noch nicht. Du gießt wieder etwas nach. Es läuft über ihre Klitoris, an den Schamlippen entlang. Auch hier fährt deine Zunge hinterher, folgt den Tropfen, nimmt sie auf. Du spürst, wie sich unter der Berührung deines Mundes, deiner Zunge aufbäumt, sich dir entgegenstreckt, während deine Zunge ihre glatte, warme Haut liebkost. Du spürst, dass sie soweit ist: Deine Zunge findet den Eingang zu ihrem Heiligtum. Dringt ein, leckt jetzt ihren Honig. Beides vermischt sich. Prosecco und Honig. Berauscht leckst, trinkst du. Sie stöhnt, drückt dir ihre Scham entgegen. Du verstehst, sie will dir ihren Höhepunkt jetzt schenken. Deine Zunge fährt immer wieder in sie hinein, deine Lippen umfassen ihre Klit. Ihr Stöhnen wird lauter. Es klingt in deinen Ohren, treibt dich an. Diktiert dir den Rhythmus. Bis sie mit einem kleinen Schrei kommt."

Die Pause, die sie danach einlegte, war atemlos. Ich wagte kaum, Luft zu holen. Meine Gedanken kreisten um ihre Schilderung, um sie. "Ich sehe dich lächeln, mein Lieber" sagte sie dann nach einer Weile. "Dir hat meine kleine Phantasie gefallen?" "Schau, auch ich blieb nicht ganz unbeteiligt. Meine Brustwarzen sind hart und empfindlich. Und sie sehnen sich nach deinen Lippen."
"Ja, ich sehe sie vor mir. Schade!" Sie seufzte. "Ja, schade. Wie gern hätte ich dich jetzt hier. Deinen Mund an meinen Knospen, deine Finger an meinen Schenkeln, wie sie auf meiner Haut wandern, dorthin, wo du spüren kannst, dass ich für dich auf den Slip verzichtet habe. Deine Finger, die jetzt meine Lippen öffnen. Nicht nur die der vor dir ausgestreckten Schönen, die dir in unserer Phantasie als luxuriöses Service dienen durfte. Real. Nicht nur am Telefon. - Und jetzt lass uns noch einmal anstoßen. Auf uns. Und auf die Liebe!"

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